Aus dem Gedenkbuche der Pfarre Sierndorf.
Aufgezeichnet von dem damaligen Pfarrer Karl Streichers.

1805.

Den 8ten und 9ten November marschirten durch Sierndorf viele tausende der Russen, welche sich nach dem Eindringen der Franzosen ins Oesterreich von Krems herab retierirten, und sich nach Oberhollabrunn hinaufzogen, die Einquartirung und besonders das Unterbringen ihrer vielen Pferde war sehr lästig. Ich selbst hatte einen Obersten sammt der Kriegskasse in Quartier und in einem Stadtel 45 Pferde, weil schon im Markte alles so sehr überlegt war, dass die Pferde nirgends mehr untergebracht werden konnten.

Den 14. November sind im Verlaufe des heuer wieder mit Frankreich ausgebrochenen Krieges nach der unglücklichen Schlacht bei Ulm zwischen 11 und 12 Uhr Vormittag die ersten französischen Reutter nach Sierndorf eingerückt. Die Neugierde zog mich und fast alle Einwohner auf die Straße heraus, um den Feind zu sehen. Sie betrugen sich auch bei ihrem Einmarsche in Sierndorf ganz gut gegen uns, sagten uns mehrmahlen, wir hätten uns gar nicht von ihnen zu füchten, es würde uns kein Leid zugefügt werden, sie wären nicht Feinde gegen den deutschen Kaiser, mit dem ihr Kaiser schon ohnehin Frieden gemacht hatte, sondern sie seien nur deßwegen in unser Land herüber gebrochen, um den Russen zu verfolgen, und wo sie dieselben finden, würden sie sich mit ihnen schlagen und selbe aufzureiben.

Daß dieß aber nur Schmeichelworte waren, zeigte sich gar bald. Denn einige von ihnen forderten sogleich Geld als Brandsteuer und zeigten sich somit als wirkliche Feinde.

Den Nachmittag darauf kam schon eine sehr beträchtliche Anzahl Fußvolks, welche in alle Häuser eindrangen, Fleisch, weißes Brod, Butter, Käs und der gleichen von den Leuten abforderten und dann wieder weiter marschirten. Auf den Abend wurde der Markt Sierndorf mit den feindlichen Truppen so überlegt, daß in jedem Hause mehr als 50 und 60 Mann einquartirt waren. Uebrigens ging außer den äußerst starken Requisitionen aller Gattungen Lebensmittel und der Fourage für ihre Pferde alles so ziemlich ruhig ab.

Der 15. November eben der Festtag des h. Leopolds, war für den Markt Sierndorf ein wahrer Hiobstag. Da erfuhren wir die Geißel des Krieges, und alle die unseligen Folgen desselben in ihrer ganzen Schwere. Schon um 8 Uhr Vormittag fing die große feindliche Armee durch Sierndorf durchzuziehen an und zwar in einer solchen Menge, dass es beinahe unmöglich gewesen. wäre, über die Strassen hinüberzukommen. Da drangen sie schon feindselig in die Häuser der Leute ein, forderten von ihnen mit Gewalt Essen und Trinken und mit diesen allein nicht zufrieden, fingen sie förmlich zu plündern an, brachen die Kästen und Gemächer auf, raubten der Leute Habseligkeit, tödteten alles Geflügel, nahmen den Leuten Schafe und Schweinefieh hinweg, das sie sogleich sengten, und bei Feuer sich zurichteten, was sie nahe bei Stroh-Dächern und Städteln aufgemacht haben, durchsuchten mit brennenden Kerzen die Heuböden um ihren Raub zu befriedigen, indessen wachte doch Gottes Güte über uns, und verhinderte, daß bei einer so großen Feuersgefahr unser Markt nicht ein Opfer der Flammen wurde. Ueberdieß wurden alle Keller mit stürmender Gewalt eingebrochen, und der Wein theils ausgetragen, theils frey ausgelassen. Beträchtlich war der Schaden, der dem Anton Steinermayr gewesten herrschaftlichen Pächter allhier dadurch zugefügt wurde, in dessen Keller sich über 300 Eimer Wein befanden, von welchen er nicht einen einzigen retten konnte. Die Folge von allen diesen war, daß die Feinde, die ohnehin schon berauscht waren, noch mehr betrunken und in ihren Leidenschaften ungestüm wurden. Besonders bin ich von ihnen sehr hart mitgenommen worden. Von drei verschiedenen Rotten wurde ich am nämlichen Tage im Pfarrhofe überfallen, ohne die vielen zu rechnen, die mit Bütteln und Schaffeln mir den Wein aus dem Keller hinweg trugen. Nachdem ich sie mit Fleisch, Brod, Eyer, Käß, Butter, kurz mit allem, was sie verlangten, bereitwillig bewirtete, fingen sie an in mich mit bloßen Säbeln und unter den schändlichsten Schimpf- und Fluchworten zu dringen und nötigten mich alle Kästen und Thüren zu eröffnen, wo sie den alles vorfindige Geld, Wäsch- und Leibskleidung und was ihnen nur immer anständig war, mit Gewalt raubten, und mir dadurch einen mir nach mäßiger Schätzung berechneten Schaden von 285 fl. 45 Kr. verursachten. Der häufige Durchmarsch der französischen Truppen zur großen Armee dauerte noch ununterbrochen bei 9 Tage fort, in welcher Zeit weder an Sonn- noch Wochentägen Messe gelesen noch irgend ein Gottesdienst abgehalten wurde, die Schule wurde auch ununterbrochen, indem der Feind in selber große Verheerungen anrichtete und der Schulmeister sammt Weib und Kind in das Schloß sich hinflüchten mußte. Auch ließ ich während dieser Zeit keine Glocke auf dem Thurme weder in der Frühe, weder zu Mittag noch auf dem Abend weder bei einer Leiche läuten, damit es der anwesende Feind nicht etwa für ein Zeichen zu einem Sturm ansehe und daraus noch größeres Uebel entstehen möchte(!) Die Ausspendung der hh. Sakramente sowohl bei Kranken, als auch die Begräbnißen der Todten, alles, wurde ohne Gepränge und in der größten Stille und heimlich vorgenommen, damit diese gottesdienstlichen Handlungen keinem Gespötte des Feindes ausgesetzt würden. Das prächtige von dem gewesten Herrn Fürsten zu Salzburg Hieronimus Colloredo geschenkte Meßgewand, Kelch, silberne Lampe u.s.w. kurz alle entbehrlichen Schätze und Kostbarkeiten habe ich noch bei Vordringen des Feindes in ein sicheres Ort im Schlosse in Verwahrung gebracht. Die Kirchenkasse und die Tauf-, Trauung- und Sterbebücher habe ich im Pfarrhofe in die Erde vergraben und so für ihre Erhaltung die schuldige Sorgfalt verwendet.

Wir lebten durch die ganze Zeit dieses Krieges äußerst gedrückt von den häuffigen Einquartirungen der auf der Straße hin- und herziehenden französischen Kriegshere, in beständiger Angst und Furcht, zum Theil auch wegen der Nachzügler, die in kleineren Rotten der großen Armee nachfolgten und sich auch ebenfalls manche Unfüge und Gewaltthätigheiten erlaubten, obschon ihnen dieß durch einen Generalbefehl des Marschalls Berthier im Namen des französischen Kaisers scharf verbothen war, bis endlich durch die erfreuliche Nachricht von dem am 26ten Dezember 1809 zu Presburg in Hungarn geschloßenen und unterzeichneten Frieden getröstet worden sind. Gott erhalte uns den goldenen Frieden bis in das späteste Greisenalter. Dieß ist unser aller Wunsch.

1809.

Aufgezeichnet von Pfarrer Karl Schweiger.

In diesem Jahre hat sowohl der Markt Sierndorf als auch die Pfarre bei dem zweyten Einfall der Franzosen in Niederösterreich überaus viel gelitten. Nach der am 5ten und 6te- Juli unglücklichen Schlacht bey Deutschwagram wurde Sierndorf am 9ten July in Rückzügen von der Mährischen - angezunden, wobei zwey drittl des Orts und dabey die meisten Häuser des Ortes licht ausgebrannt der damalige Herr Pfarrer Karl Streichers flüchtete sich anfangs nach Oberhautzenthal von da nach Stranzendorf in den Wald, welche sehr viel von seiner Einrichtung, Eß Waaren und dergleichen im Werthe bey zwey Tausend Gulden in Banco-Zettln, bey seiner Rückkehr wurde er zwar in dem herrschäftlichen Schloß aufgenommen und ernährt, aber auch nach eingetrettenen Waffenstilstand noch mißhandelt; es wurde auf ihn von den wüthenden Feinden geschossen und dergleichen mehr. Den 15ten October ist endlich der erwünschte aber überaus theuer erkaufte Frieden eingetreten.

Aus dem Gemeinde-Gedenkbuche von Sierndorf,

1809.

Im Jahre 1809 bei den zweiten Einfahl der Franzosen ins Österreich da hat sich die Affandgarth von E. H. Karl im Markt Sierndorf gelachert, rämblich das Regament E. H. Karl Schübphäd Husaren und Schwarzenberg Hollanner. Da hat der Markt Sierndorf 800 Bund Stroh in das Lager liefern müssen 44 Klafter Brennholz, 24 Eimer wein, 400 Schieshel und 400 Häfen und sodan waren noch im Markt in Häusern alles so überlägt das sich fast niemand zu helfen weiß. Den 7ten July ist der Feind bis Wien in dem Marchfeld über die Donau übergebrochen und am 8ten July hat unsere k.k. Armee ihren Rückrad bis zneim nehmen müssen. Da ist auch bei uns das Fürst Liechtensteinische lager gestanten. Den 9ten July sind die Franzosen bei uns durch Marschierd. Da ist unser Markt in Brand gestöckt worden und sind 32 Häuser abgebrand. Bei den Johann Grindling Nr. 36 ist das Feuer angelögt worden und sind von des Lorenz Klarr seinen Hauß angefangen Nr 34 bis zum ambt Hauß Nr. 46 von der Mühl an Nr. 7 bis zu des Andere Huber Hauß Nr. 24 alles liecht aufgebrant. Ganze fünf Monath sind die Franzossen bei uns in Osterreich geblieben.

Den 9ten July als am Jahrdag der Feuersbrunst hat sich die Marktgemeintte verobligirt allezeit das gedächniß mit einem Heilligen Hochamt feuerlich zu begehen zu ehren des Heiligen Florian.

Joseph Bachhaimer der Zeit Marktrichter
Johann Grumpböck geschworner Johann Anzböck geschworner
Lorenz Beyer geschworner Andere Huber geschworner.

 

Stetteldorf am Wagram.

Die Aufzeichnungen sind von dem damaligen Pfarrer Joh. Bapt. Marek gemacht.

1805.

Der vor fünf Jahre zwischen Frankreich, Österreich und dem Römisch deutschen Reich zu Lünevill geschlossene Friede nahm in diesem1805 Jahr ein Ende. Die über den Reinfluß gesetzten Franzosen, durchstriechen Pfalz und Bayer im Monat October um Ulm geschahen drey blutige Gefechte, in welchen zweyern erstern Österreich mit Schaden weichen mußte, im dritten aber glücklichen Widerstand leistete, ungeachtet drangen die Franzosen jenseits der Donau in das Oberösterreich so schnell ein, daß Sie am 11. und 12ten Tag des November schon im Unterösterreich im Viertel ober Wiener Wald bey Herzogburg und der Stadt Tuln ihre Lager errichteten. Die k. k. österreichische Regimenter zogen indessen dießseits der Donau aus Oberösterreich herab in das Viertel untermanhardsberg gegen die Stadt Wien zu, aus welcher sich der k. k. Hof und der meiste Adel entfernte.

Hier im Markt Städteldorf lagen am 7ten November im Schloss Juliusburg Herr Oberstwachtmeister von Kürassier Hohenzohler Regiment mit gegen 250 Pferd im Quatier, wie auch ein Oberleutnant, ein Wachtmeister und 56 gemeine, im Markte lagen von Hohenlohe 15 Mann. Von Merfeld Uhlahnen 50. Von Lichtenstein Hußaren 120. Von Erzherzog Johann Dragoner 36. Von ungarische Gränzregiment Infanterie 139. Nach diesen folgten am 9ten und l0ten November nebst andern auch von dem Steinischen Regiment - zusammen 925 Mann.

Am 15. November kamen Franzosen, welche mir und andern Pferd genommen, meines bekam ich aber wiederum am diesen Tag. Am 19ten November rückten um Mittagszeit 1600 Mann hier ein, blieben über Nacht. ich hatte 3 Officiers über Nacht. Diese französische Mannschaft nahm aber den 20ten wiederum früh 8 Uhr ihren zug nach Wien. Am 22. November sind früh morgens, da ich die Meß gelesen, die Fenster im Schlafzimmer eingeworfen worden. Den 27. November waren über Nacht über 40 Husaren Franzosen hier. Da in eben diesem Monat die Franzosen in die Stadt Wien mit Einwilligung des Stadt Kommandanten, und des Bürgermeisters einrückten, und die Stadt Thore sowohl von den Bürgern als auch Franzosen. bewacht wurden, ward ein Waffenstillstand angekündet, und aus Vorsichtigkeit nebst anderen Verordnungen im Monat Dezember in der Christ oder Weihnacht die Kirchen zu schließen, und früh morgens um 5 Uhr den sonst gewöhnlichen Gottesdienst in der ganzen Wiener Diöces zu halten befohlen.

Die Verordnung lautete, wie folget: Die dermalige Lage des Erzbischöflichen Wienerischen Kirchensprengels, die vielen schweren Geschäfte des Volkes, die nothwendig besondere Aufsicht auf die eigenen Haushaltungen fordern, daß man allen nächtlichen Zusammenfluß der Leute, soviel als möglich ist, verhüte. Aus diesem Grunde verordnen Seine fürstliche Gnaden, unser Herr Erzbischof, daß die sonst in der Christnacht gewöhnlich gehaltene Andacht auf fünf Uhr frühe des Christtages selbst übertragen werde. Diesem zufolge werden in der Christnacht alle Kirchen ohne Ausnahme der ganzen Diözes gesperrt bleiben, und alle Messen in der Christnacht streng untersagt. Die Metten, das Hochamt, die anderen - hl. Messen sollen am Christtag selbst um 5 Uhr frühe anfangen. Am 28ten December 1805 ist der Fried öffentlich von den Kreisämtern angekündet worden. Die Ankündigung aus dem Kreisamte Korneuburg besteht in folgende Ausdruck:

Seine Excellenz der Herr Marschall von Frankreich Soult hab mir die erfreuliche Nachricht mitgetheilt, daß der Fried zwischen Seiner Majestät dem Römisch und Österreichischen Erbkaiser, und Seiner Majestät dem Kaiser der Franzosen zu Pressburg geschlossen worden sey. Ich eille diese erwünschte Ereigniß dem Publikum bekannt zu machen, und es einzuladen, Gott den allerhöchsten.. die schuldige Danksagung bei St. Stefan abzustatten, woselbst das Te Deum heut um 11 Uhr feyerlich abgehalten werden wird.

Wien, den 28. Dezember 1805.

Rudolf Graf Wrbna, Landesfürstl. Hofkommissär.

Nachgedruckt im k. k. Kreisamt in V. U. M. B. zur erfreulichen Nachricht der gesammten Kreisbewohner.

Kreisamt Korneuburg, 28. Dezember 1805 Czech, Kreishauptmann.

1806.

Mit dem Monat Jänner des 1806ten Jahres nahm also die Rückkehr der Franzosen von Wien und Unterösterreich ihren Anfang allgemein vor.

Schon am 30. December 1805 kammen gegen 400 Franzosen Cavallerie hieher in das Schloß und den Markt.

Ich bekamm in den Pfarrhof zwey Officiers einen Primär und Sekundär Kriegskommißär mit drey Bedienten und zwey Pferden. Diese blieben Tag und Nacht bis den 6ten, Jänner 1806 hier. Nebst denen unkösten und unruhen, die man sich einbilden kann, um diese Gäste, die noch dazu andere einladeten, Mittags und Abends hier speisten, zu bedienen, mußte ich noch für einen, wie sie vorgaben, ihnen geraubten Sattel 45 fl. zahlen, wenn ich nicht, nach ihrer Drohung, meine zwey Pferde verliehren wollte.

Den 8ten Jänner 1806 kamen wiederum, da ich mein Mittagmal aß, vier Officiers, hielten um ein Mittagmal an, nachdem sie es genossen, reiseten sie nach Königsbrunn; Gegen 3 Uhr rückten wiederum 4 Officiers mit 2 Bedienten und 2 Pferden ein, aßen um 4 Uhr ihr Mittagmall, um 8 Uhr das Nachtmall, mußten ihnen 4 Bethen zurichten. Den 9ten nach eingenommenen Frühstück, reiseten sie nach Kircherg ...

Ungeachtet ich schon im vorigen Jahre 1805 den 20ten Dezember eine ganzjährige Contributions Steuer, als ein Darlehen in Gold und Silber 78 fl. 52 kr. wegen des dem Niederösterreich von den Franzosen verursachten Schadens dem löbl. Ausschuses Kollegio ablegen mußte, hatte ich doch wiederum den 16ten July in diesem 1806ten Jahr, zwey Dominikals Raten pr 57 fl. 28 kr. in dem Landschafts Obereinnehmer Amt abzugeben, den 20ten November wiederum 8 fl. 10 kr. Realitäten - Steuer ebenda zu erlegen.

Da im Jahr 1805 sich die französischen Armeen in Oesterreich hier sogar bis zur Stadt Wien ausbreiteten, und im Monat Dezember ohne schändlicher Belagerung ihre Wohnungen in, und vor der Stadt durch Einverständniß des Kaisers hatten, ist durch Anordnung des Hochwürdigsten Fürsten, Herrn Erzbischofs Herrn Sigmund Anton, aus den Grafen von Hohenwart in Gerlachstein der sonst gewöhnliche feyerliche Gottesdienst in der heiligen Weihnacht eingestellet, und auf die Frühstunden übersetzet worden. Eben diese Verordnung kam nach dem Frieden in diesem Jahre 1807 zur Erfüllung, wiederum wie folget: Seine fürstliche Gnaden unser gnädigster erzbischöfl. Herr Ordinarius haben für die wahre Andacht, und Sittlichkeit am zweckmäßigsten zu seyn erachtet alle Feyerlichkeit der Weihnacht einzustellen. In der ganzen Wienerdiöces sollen ohne Ausnahme alle Kirchen gesperrt bleiben, am Christtag aber selbst die Metten das Hochamt, und die anderen hl. Messen von 4 Uhr früh nach Umständen jeder Kirch gehalten werden.

Ex Consistorio Archiepiscopali.

Wien, den 1. Dezember 1807

1809.

Da die Franzosen noch immer ihren Krieg in Europa fortsetzten auch Spanien sich unterjochen wollten, vereinigten sich das noch übrige römische Reich, mit Russen, Oesterreich, Hungarn und anderen Mächten wider Frankreich. Zur Unterhaltung der österreichischen Regimenter mußten Herrschaften und begüterte Geistliche ihre Beyträge abgeben.

Die Pfarre, und die Kirche hier in Städteldorf hatten nach Stockerau, Korn und Hafer zu liefern, Ich Pfarrer mußte, den 21. Februar 13 Metzen Korn, und 15 Metzen Hafer abführen, und am 3. März wiederum nach St. Pölten 15 Metzen Hafer liefern. Den 22. Februar in das Landhaus erstes Quartals Raten 85 fl. 41 kr. das zweyte, für dreyviertel Jahr den 11. April zum Voraus 165 fl. erlegen. Am 11ten Tag des Märzens rückten aus der vor kurzer Zeit errichteten österreichischen Landwehr gegen 200 Mann von der Stadtwiener Landwehr in den allhiesigen Markt ein. Jedes Haus wurde besetzet. Ich bekam einen Oberleutenand, den Herrn Baron von Portenstein mit seinen zur Bedienung bestimmten Personen. Diese Mannschaft wohnte hier bis zu dem Ende des Märzens, da sie von hier aus nach Krems, und von da aus, nach Tyrol gezogen. Ans allen Städten, Märkten, und Dörfern in Unter- und Oberösterreich sind nicht nur Ledige, sondern auch Verehlichte junge Männer in diese Landwehr angenommen worden.

Die von Maximilian Freyherrn von Sommer-berck-(?) k. k-. Feldkaplan bey der Stadtwiener Landwehr bey Gelegenheit der feyerlichen Fahnenweihe in der Metropolitan Kirche zu St. Stephan abgehaltenen Rede gab nicht nur Se. k. k. Majestät, und allergütigsten Landesfürsten, wie auch seiner durchlauchtigsten Familie Absicht, Eifer und Vorsicht, sondern auch die Pflichten dieser Landwehr zum ewigen Angedenken zu erkennen. Dieser k. k. Feldkaplan hielt auch in hiesiger Pfarrkirche an dem Feyertage , Mariä Verkündigung an die hier liegende Mannschaft eine vortreffliche Rede von dem Gehorsam nach dem Beispiel Mariä.

Nachdem die Franzosen nicht nur im Viertel unter Wienerwald herumstreiften und viele Örter in Schaden setzten, fielen sie auch in dem Viertel unter dem Manhartsberg ein, und kamen endlich von Stockerau auch hieher den 10. July über 200 Mann. 4 Officier übernachteten hier im Pfarrhof. Die Mannschaft im Schloß und im Markte, durch die gute Bewirthung aber geschah es, daß sie den 11ten früh um 5 Uhr alle friedlich nach Weikersdorf giengen. Es rückten zwar um 8 Uhr den 11ten wiederum 500 Mann ein, nahmen aber ganz ruhig ihr Mittagmal ein, und eilten der ersten Mannschaft nach.


 

Aus dem "Jngedenkbuch" der Pfarre Hausleuthen,

Die Aufzeichnungen aus dem Jahre 1805 sind von Pfarrer Joh. Nepomuk Veigl gemacht, der von 1796-1820 Pfarrer in Hausleuthen war, den Bericht über 1809 dürfte vielleicht ein Cooperator geschrieben haben.

1805.

Den 14. November, nachdem die österreichischen Truppen abermals geschlagen und retiriren mußten, welches wieder viele Einquartierungen verursachte, sind in der Frühe mehrere Tausend französische Truppen Stockerau passiert und auf Oberhollabrunn den Russen entgegengeflohen. Gegen 4 Uhr nachmittags ritten in Goldgeben bei 400 Mann französische Grenadiere von der Division d'Haupoult mit einem General ein, gaben vor, dass sie mit dem deutschen Kaiser Franz Frieden gemacht, als Freunde zu uns kommen, und nur die Russen aufsuchen. Gegen Abend errichteten sie sehr viele Wachfeuer von Stockerau, Zögersdorf bis Goldgeben. Zwischen 8 und 9 Uhr der Nacht ritten der Divisionsgeneral d'Haupoult mit 3 Kürrassier Regimentern in Hausleuthen ein, nahm mit seinem Generastaab und Adjutanten im Pfarrhof Quartier, es waren 8 bis 10 Officiers von höherem Range, bei 150-200 Pferden, bei 40 Mann Ordinanzen, und eben so viel Mann für die Wachen hier im Pfarrhofe einquartiert, denen Kuchelzimmer, Stallung, Kasten, Heuboden, Schuppen und Stadel Preis gegeben werden mußte. Sie haben sich in der Nacht in dem ganzen Orte sogleich in 3 Theile vertheilt und jedes Regiment sich selbst einquartiert, und wenn sie in einem Hause nicht Haber und -Heu fanden, so giengen sie, nachdem sie den Hauswirth ziemlieh hart hergenobmen, in andere Häuser, wo sie das Benöthigte zu finden glaubten. Daß dieses dem Pfarrer ungemein viel gekostet haben möge, ist sehr leicht vorzustellen. - Im Pfarrhofe selbst waren eben der k. k, Major Eperiesi von Johann Jellachitz Infanterie mit einem blessirten Hauptmann, einem Lieutenant, einem Kadeten, 13 Gemeinen und 14 Pferden sammt Bedienten und Stallleuten auf der Retirade einquartiert. Die Franzosen haben sie zwar bei ihrer Ankunft sehr höflich empfangen und ihnen alle Güte versprochen, sie in ihrem Zimmer nicht beunruhiget, doch beim Schlafengehen verlangt, daß die Gemeinen sich mit ihren Gewöhren entfernen möchten, welche im 1ten Stocke im steinernen Saale Unterstand nehmen mußten, weil sonst für sie kein Platz im Hause war. Als weder ich noch ihre Officiere ihnen in der Nacht einen Platz anweisen konnten, so befahl der französische General nach der zweyten Aufforderung ihrer Entfernung, daß sie ihre Gewöhre auf das im Hause befindliche französische Wachtzimmer abgeben, und den anderen Morgen selbe wieder erhalten sollten, - den 15. Morgens erklärte der General den k. k. Major sammt seiner ganzen Mannschaft als Kriegsgefangene, schickte sie mittelst Excorte als solche nach Wien, nahm ihnen 8 ihrer schönsten Pferde, welche dem General Jellachitz gehörten, für sich ab. Er Mittagmahlte noch hier mit seinen Leuten, und nachdem er sich auf meine Rechnung aus der Fleischbank bei 2 Zentner Fleisch, dann Hausgeflügel, Mehl, Brod, Schmalz, Haber und Heu auf seinen Kuchelwagen packen ließ; nahmen sie ihren Marsch nach Sierndorf und Oberhollabrunn, wo nachmittag auch schon eine sehr blutige Schlacht geliefert wurde zum großen Nachtheile der Franzosen; doch mußten die Russen weichen, und wegen der feindlichen Übermacht den Platz räumen.

Den 15. November Nachmittag kamen 12 Mann Jäger mit geladenem Gewöhr in den Pfarrhof, meldeten Quartier für 400 Mann berittene Artillerie und fiengen an zu plündern - sie raubten mir alle Kleidungsstücke und alles, was noch nicht in Sicherheit gebracht war; sie forderten Geld, und ich gab ihnen bei 1200 fl. die ich wegen zu erwartender Brandschätzung in meinem Zimmer in Bereitschaft hatte, weil ihrer viele mich umgaben, und von allen Seiten das geladene gespannte Gewöhr anhielten. Endlich warf ich ihnen den Kastenschlüssel vor und sie fanden noch bei 800 fl. baares Geld, welches sie nebst verschiedenen Pretiosen, Wäsche und Kleidungsstücke mit sich nach Wolfpassing schleppten, wo sie ihren Raub im Wirthshause getheilt haben sollen, dies war in Wahrheit ein Schrecken Tag.

Unterdessen kamen fast täglich Nachziegler und Streif-Commanden von 20 bis 30 Mann, welche Haber, Heu, Essen, Trinken und Geld forderten, man gab ihnen Speise und Trank, und was aufzubringen war, wies ihnen aber zugleich die offen stehenden ausgeraubten Kästen, und suchte sie damit so viel möglich zu befriedigen, was auch bei den meisten gute Wirkung that, bis auf 12 Fuhrwesensknechte, welche nach 9 Uhr mit 24 Pferden mit Gewalt sich einquartierten und sich äußert unruhig betrugen, die ganze Nacht ihre Pistollen abfeuerten und raubten, was sie noch auffinden konnten.

Nach 14 Tagen ungefähr rückte hier das 14te Linien-Infanterie-Regiment ins Stand Quartier ein; im Pfarrhof stieg der General-Major Maza ab, ein sehr artiger Menschenfreund, welcher außer seinen Pferden und Domestiquen keinen anderen Mann hier einquartieren ließ, sogar seine Wache mußte ausser dem Pfarrhause in dem Thorzimmer wohnen, und durfte nicht den mindesten Unfug ausüben. Aber zum Unglück bekam er schon in der ersten Nacht den Befehl, nach Austerlitz zu marschieren, wo er auch in der Schlacht geblieben. Darauf gieng ein k.k. Artillerieterrain von 300 bis 400 Kanonen und Munitionswagen von Krems nach Wolfpassing und Zissersdorf hierdurch unter dem Commando des k. k. Feldmarschalllieutenant von Schuchai und weil er von den Franzosen vernahm, daß sie mit den Kaiserlichen Frieden gemacht haben, machte er dem französischen Generalen zu Wolfpassing seine Aufwartung, wurde aber von selben mit seiner ganzen Artillerie als Gefangener erklärt und nach Wien geschickt. Weil die Wägen nicht sogleich weggeschafft, auch nicht von den Franzosen bewacht werden konnten, so haben die Einwohner von Wolfpassing, Seitzersdorf und Zissersdorf mehrere Pulverwägen ausgeraubt, und das Pulver und Bley zu verbergen gesucht. Die Wolfpassinger haben 7 derley Wägen ... in Empfang genommen, ja sogar das Eisen von den Rädern abgeschlagen, wodurch denn geschehen, daß 4 derley Wägen zerbrochen, das Pulver sich entzündete, und die Wägen sammt Munition in die Luft flohen, es sind dabei 5 Kinder todt geblieben, und bei 8 sehr verbrannt, doch beim Leben erhalten worden.

Den 27. Dezember ist eine Abtheilung franz. Artillerie hielier ins Quartier verlegt worden, Im Pfarrhofe quartierte ein Rittmeister, ein Oberlieutenant, ein Oberfeldarzt mit 8 Gemeinen, 16 Pferden und den benöthigten Stallleuten ein. Die Gemeinen machten lästige Forderungen, und alle überhaupt verursachten viele Unkösten, daß ich meinen zur Zeit der Franzosen erlittenen Schaden ganz leicht auf 6000 fl. anschlagen darf. Gott bewahre uns vordem öfteren Besuche solcher Gäste. Den 6. Jänner 1806 haben die Franzosen von uns ganz höflichen Urlaub genohmen und unsere Gegend verlassen.

1809

Im Monate July fielen nach der verhängnisvollen Schlacht bei Deutschwagram französische Truppen in den Pfarrhof ein. Herr Pfarrer Veigl, der ähnliche Mißhandlungen, mit denen er schon bei der ersten Invasion anno 1805 belästiget wurde, befürchtete, ergriff die Flucht nach Neueigen, und ließ die zwei Cooperatoren zurück. Man faßte zwar anfangs den Muth die Thore des Pfarrhofes den einbrechenden Franzosen nicht zuöffnen. Zwei kleine Truppenabtheilungen wagten es nicht, aus Furcht, daß vielleicht alldort österreichische Soldaten verborgen wären einzudringen. Doch bald wurde die Zahl der Feinde größer. An der Südseite der Gartenmauer lehnten sie mehrere Leiter an, sprangen in den Garten, eilten mit gefälltem Bajonette zum Hause, sprengten das Schloss der versperrten Hausthür durch eine abgefeuerte Musqueten-Kugel auf, welche Kugel zur gleichen Zeit eine Dienstmagd, die sich durch die Aloysikapelle flüchten wollte, in die Kniescheibe dergestallt verwundete, dass sie bald darauf an den Folgen der Verwundung gestorben ist.

Die durch den vorgefundenen Widerstand erbitterten französischer Soldaten verheerten mit einem barbarischen Vandalismus. Alles, was sie angetroffen haben. Die Wohnungen des Herrn Pfarrers und der 2 Cooperatoren wurden ausgeplündert. Im Archiv, wo man verborgenes Geld zu finden glaubte, wurden sämtliche Akten und Papiere aus den einzelnen Fächern hinausgeworfen, die alldort aufbewahrten Waisen-, Kirchen- und Armen-Titel-Laden wurden erbrochen, und das deponierte Geld wurde genommen. Im Keller waren 200 Eimer Wein vermauert; doch durch Verrätherey wurde dieser Verwahrungsplatz angegeben. In die Fässer hatte man mit Gewehren Löcher eingeschossen, was sie selbst von dem Weine nicht genießen konnten, ließ man unbenützt dahin fließen. Erst dann, nachdem sie das Feder und Hornvieh erschossen hatten, zogen sie mit dieser Beute beladen in ihr Lager zurück, welches zwischen Oberzögersdorf und Stockerau aufgeschlagen war. Es hörte zwar diese gewaltsame Plünderung in der Folge auf, aber dessenohngeachtet mußte die Pfarre bedeutende Lieferungen an Hafer und Heu leisten und öftere Einquartierungen der durchmarschirenden Militairs bis zum 14. October dieses Jahres übernehmen, an welchem Tage der Friede zu Wien geschlossen und Österreich in Folge dessen von den unheimlichen Gästen nicht mehr gedrückt wurde. Herr Pfarrer Veigel kam von seinem Asyle Neuaigen zurück und mußte die traurige Erfahrung machen, dass er durch diesen feindlichen Einfall einen Schaden von mehr als 8000 fl. erlitten habe.


 

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Groß Weikersdorf.

Die folgenden Aufzeichnungen sind von dem damaligen Pfarrer Franz Arbesser gemacht, der das Gedenkbuch im Jahre 1804 neu angelegt hat, nachdem im Jahre 1719 der Pfarrhof mit sämmtlichen Schriften und Documenten, die Kirche und die Schule einem Brande zum Opfer gefallen waren.

1805.

Den 9ten May 1805 sind seine Majestät Franz der Zweite auf seiner Reise nach Horn hier durch gereiset.

Den 12ten October 1805 sind zwey Regimenter Kosaken in Weikersdorf angekommen, wovon der Stab und bey 100 Mann Gemeine im Pfarrhofe einquatirt waren. Den 15ten November sind die französischen Truppen in Wien, wo sie am 13ten November angekommen waren, hier eingerüket, von welchem Tage angefangen bis zum halben Jänner 1806 in Weikersdorf fast alltäglich theils von französischen, theils von bayrischen Truppen Durchmarsch war, obgleich schon am 14ten December 1805 bey Austerlitz in Mähren ein Waffenstillstand und am 26ten December 1805 zu Presburg in Ungarn der gänzliche Frieden abgeschlossen wurde, Der Markt Weikersdorf hat bei dieser Gelegenheit sowohl an Einquatirung, als auch an Lieferung viel gelitten; doch ist außer dem Herrn Postmeister Vinzenz Urbanek niemand geplündert worden.

Die Kirche blib unbeschädigt u. H. Pfarrer Franz Arbesser hat außer den obgemelten Rußen nur 6 Franzosen einquatirt und 12 Bayern auf der Wachstube zu verpflegen, welches außerordentliche Glück des H. Pfarrer der besonderen Zuneigung seiner Pfarrkinder und vorzüglich dem thätigen Eifer des damaligen Marktrichters H. Jakob Strasser u. der beyden Quatirmacher H. Anton Schnabel u. Johann Strasser verdanket.

1809.

Nach dem am 12. Juli 1809 zwischen der k.k. österreichischen und k.k. französischen Armee in Znaim abgeschlossen Waffenstillstande ist die k.k. französische Armee in ganz Österreich verleget worden, wo sie vermög dem am 14ten August dieses Jahres abgeschlossenen und am 20ten August eben dieses Jahres ratificierten Friedens zu Wien bis 20ten September u. auf dem Lande bis 20ten October liegen blieb eben dieses Jahres. Bei dieser Gelegenheit wurde zuerst der Attilerie Park von dem zweiten Kirasir Regiment u. der Generalstab von dem 3te,- Kirasir Regiment in Weikersdorf einquatiret, wobei der Markt am 25. July das Unglück hatte fast zur Helfte abgebrannt zu werden. Es sind nämlich durch diese Feuersbrunst 43 Häuser, mehrere Scheuern, Schupfen und Keller in die Asche geleget worden, doch ist im Pfarrhof u. der Kirche Nichts geschehen, nur mussten im Pfarrhof die Dächer von den Wirtschaftsgebäuden abgetragen werden, um den ferneren Flammen Einhalt zu thun, weil das Feuer gerade bei dem Pfarrhofe erhalten wurde.

Übrigens hat der Markt Weikersdorf bei dieser Gelegenheit die immerwährenden Einquatirungen als auch die unablässigen, äußerst überspannten Requisitionen sehr Villes gelitten, doch ist Niemand geplündert worden.

Im Dechanthofe war zuerst der Attilerie Capiten Nuquart vom 2ten Kirasir Regiment mit seinem Domestiquen, dann der General, Inspecteur Battioli vom 3ten Kirasier Regiment, der ein Vetter des Kaisers Napoleon war, mit seinem Secretär u. Kammerdiener einquatiret.

Diese kostspielige Einquatierung sammt den äußerst überspannten Requisitionen kam H. Dechant, auf viele Tausend Gulden zu stehen u. war derselbe immer in Gefahr seiner Pferde, seiner Wagen, seines Heu und Habers und überhaupt seines ganzen Vermögens beraubet zu werden. So veränderlich sind die Menschen. Im Jahre 1805 thaten die Weikersdorfer alles um ihren Pfarrer zu schonen und nun 1809 suchten sie ihn selbsten zu Grunde zu richten.


 

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Ober-Hautzenthal.

Der folgende Bericht stammt aus der Feder des Pfarrers Adam Kaldy, der im Jahre 1805 als Pfarrer nach Ober-Hautzenthal gekommen war.

1805.

Kaum hatte ich mich mit Wirtschaftsgeräthschaften und Einrichtungen versehen, wozu ich das wenige ersparte verwendete, traf ein großes Unglück mich, meine Pfarre, und das ganze Land, den 14ten September reichten die Vorposten des zu Stockerau liegenden französischen feindlichen Korps von 30.000 Mann, bis auf Unter-Hautzenthal, ohne daß jemand auf unserer Seite der Donau sie nur vermuthet hätte. Außer dem Kirchensilber, und der Kirchenlade, welche gerade in dem Keller eingegraben wurde, als die Feinde schon im Zimmer waren, wurde in den ersten Augenblicken nichts verborgen. Erst nach der Plünderung vom 16ten September wurden die Reste gesammelt, und verwahrt, Dieser Tag war der schräcklichste meines Lebens, er machte mich mit jener Empfindung bekannt, welche jemand, der unter die Mörder verfallet, und augenblicklich den letzten Stich erwartet, zu fühlen pflegt. Bis 15 Nachzügler der französischen Armee, die keine anderen Waffen als jene der Mörder nämlich haben, Stilet und verrostete Degen bei sich führten, überfielen mich den 16ten September, um die Mittagstunde, unvorsichtig wiedersetzte ich mich im Vorhaus, wohin sie, mich in das Zimmer bringen wolten, bis ich den schröcklichen Ruf eines von ihnen auf französisch hörte; gieb ihm den Stich. Jetzt überließ ich mich ganz ihrer Willkühr, sie nahmen mir alles ab, was sie fortbringen konnten, und verlangten den Kellerschlüssel. Ein Theil von ihnen nahm die Köchin, um sie in den Keller zu führen, ein anderer befahl mir voran auf den Boden zu steigen, wo man beschäftigt war, das, Dach anzuzünden, weil es aber schlecht und naß war so zündete es lange nicht, die übrigen verließen mich um die Körner zu untersuchen ob nichts darin vergraben sey. Jetzt benützte ich den Augenblick zum Entfliehen, fiel mehr als ich von dem Boden gieng. Als ich bei der Hausthür war, hielten zwei die Wache, die mich nicht hinaus ließen. Jetzt versammelten sich alle vom Boden, und die im Keller waren, bei mir, und brachten mich unter Schlägen wiederum in das Zimmer. Endlich rufte ich die Wache im Hofe: die Bauern sind beysammen. Es stiegen einige Pfarrkinder über die Planken, und zogen die großen Hölzer von den Thoren weg womit die Räuber es verlegt hatten, und die übrigen Männer kamen in den Hof um mir bei zu stehen. Nun rufte gerade derjenige, welcher bei der Plünderung 2 Sackuhren von mir nahm, auf den Weg, und sie verließen mich. Da mich Gott auf eine so wunderbare Art beim Leben erhalten hatte, so dankte ich ihm recht herzlich dafür, daß ich nur mit einer Schneidewunde am Daumen der rechten Hand davon gekommen bin. Ohne Schuhe, bloß in Strümpfen rettete ich mich nach Stranzendorf zu den hochwürdigen Herrn Pfarrer Franz Springsholz und noch am nämlichen Abend fuhr ich mit einer Proviant Lieferungsfuhr nach Göllersdorf zu meinen würdigen Herrn Dechand Anton Fidelis Namieski. Hier wurde ich mit vieler Theilnahme gastfreundlich aufgenohmen, mit Schuh und andern nothdürftigen versehen, und war im Stande, die Wunde am Finger zu pflegen. Unterdeßen wurde in den von den Bewohnern ganz leeren Pfarrhofe alles was zu bewegen war fortgebracht. Ohne Geld, ohne Wirtschafts- und Haus-Einrichtungen hatte ich eine bittere Noth auszustehen, als gerade von seiner hochfürstlichen Gnaden, den Herrn Erzbichof durch den hochwürdigen Herrn Pfarrer von Hausleithen Johan Nepomuk Veigel mir 100 fl. zu geschickt wurden, und zunächst das nöthigste anzuschaffen im Stande war. Jetzt traf eine fürchterliche Epidemie, meine von den Feinden so sehr geplünderte Pfarre. Der bald darauf abgeschlossene Friede in Preßburg fieng bald an die Wunden zu heilen, und gab Gelegenheit, daß man sich wiederum erholen konnte. Meiner erste Sorge war den durch Länge der Zeit so sehr beschädigten Kirchthurm wiederum herzustellen, es gelang mir auch ihn ganz einzudecken, wobey an Unkosten 900 fl. verwendet worden sind.

1809.

Kaum hatten sich meine Pfarrkinder in etwas wiederum zu erholen angefangen, da wurden schon wiederum durch einen neuen ausgebrochenen Krieg die vorigen Drangsale erneuert. Die Unfälle, welche unsere Armee bei Eckmühl in der Gegend von Regensburg betroffen haben, machten, daß sie sich bis Wien nicht wiederum aufstellen konnte. Ein großer Theil davon gieng dort über die Donau, und kam den 14. May in unsere Gegend zu stehen, wobei ich durch 2 Täge seine Durchlaucht den Fürsten von Liechtenstein Generalen der Kawallerie in Quartier hatte. Schon fieng die Hoffnung, die Drangsalen bald beendigt zu sehen, aufzuleben, als die Schlacht bei Aspern den 21. und 22. May zum Vortheil der Österreicher sich geendigt hatte, als bald darauf den 6. July bei Waggrabm der linke Flügel der Österreicher umgangen wurde, und die ganze Armee genöthigt sich fand bis Znaim zurückzuziehen, wo auf den geschlossenen Waffenstilstand, am 16. October der Friede unterzeichnet wurde. Bis auf die Hälfte des Jäner 1810 haben ich, und meine Gemeinde vieles mit den Quartier der Feinde auszustehen, zuvor gänzlich ausgeplündert, mußten wir öfter ganze Compagnien, wo die Oficiere alle mit mir sich einfanden, in Quartier haben, und es ist zu bewundern, woher wir für so viele Gäste Lebensmittel aufbringen konnten. Die ganze Gemeinde hatte ihren Wein im Pfarrhof geholt, weil kein alter in der Gemeinde zu finden war, die so kostspielig geführten Kriege, haben viel Nachwehen zurückgelassen, als: die Verminderung der Bankozettel, durch das Patent vom 15. März 1810 wo ihr Werth auf den 5te- Theil herabgesetzt wurde, die Ablieferung sämmtlichen Silbers bis auf die Eßlöffel, und nur einigen Cuppa am Kelche, und doch trotz aller dieser wiedrigen Umstände erholten wir uns bald, so daß wir bei dem neu ausgebrochenen Krieg mit Frankreich, mit einer Macht aufzutretten im Stande waren, die Bewunderung erregte.


 

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Stranzendorf.

Die folgenden Aufzeichnungen sind von dem damaligen Pfarrer Johann Valentin Schwabe gemacht, der 1808 in Stranzendorf investiert worden war.

1809.

In den nächstfolgenden Jahr 1809, wo die Franzosen Ostreich überschwemten und während fünf Jahren das Land zum größten Maße verherten, fanden sie nun auch nach Stranzendorf. Denn im Jahre 1805 hat man hier kaum einige wenige im Durchmarsch gesehen. Da sie sich nach ihrer Sitte, überall, und vorzüglich in Dörfern, wo sie die Ortsgerichte nicht respecktirten, selbst einquartirten, so gefiel ihnen jeder Zeit vor allen der so ansehnliche Pfarrhof, und der H. Pfarrer hatte die Ehre immer das Hauptquartier auszuhalten. Im Anfang ging es leidentlich, indem die abwechselnten Einquartierungen nur zu 3 und 4 Tage dauerten, und die Officire immer noch mit mir an einem Tisch speißten. Diese Schreckenszeit (es waren 6 Wochen Waffenstillstand) wo man nicht wußte, ob von neuem Krieg oder Friede werden wird, und während dem man mit dem Feinde leben mußte, kostete die Einkünfte der Pfarr auf mehrere Jahre, denn der hiesige Ort war während dieser Zeit kaum einen Tag ganz von Einquatirung frey. Nachdem nun der Waffenstillstand zu Ende war, und Friede mit Östreich. erklärt wurde, suchten sie sich nun ihre Standquatiere aus, und die hiesige ganz umliegende Gegend traf das Kürasirregiment No. 7, welches sich durch volle 11 Wochen jetzo wohl pflegen ließ. Im Pfarrhof quartierte ein Capiten nebst einem Bedienten, auch speißten nebst anderen Gästen, die sie sich aus der Nachbarschaft gewöhnlich inladeten, aus dem Orte, der Oberleutenand und Regimentsartzt, gewöhnlich an der Tafel. Dieß Quartier bezog den ganzen oberen Stock des Pfarrhofes. Nur 8 Tage konnte ich den schrecklichen Aufwand, den sie begehrten, und den man ihnen geben mußte, noch ausharren, dann erklärte ich, daß ich außer Stande sey, für ihre Pflege fern ' er zu sorgen, und von dem Tage an lebten sie im Pfarrhof auf Rechnung der Gemeinde. Da sie nun in der 5ten Woche immer zutringlicher auf frischer Tafel und Bettwäsche bestanden, die ich ihnen nicht verschaffen konnte, und später diesfals Mißhandlungen zu fürchten waren, so flüchtete ich mich zu H. Pfarrer Johann Nepomuk Veigl nach Hausleithen, und blieb dort bis zum gänzlichen Abmarsch den 15ten. Dezember 1809.


Obermallebern.

Aufgezeichnet vom damaligen Pfarrer Karl Hofbauer.

1805.

Den 14. November kamen die feindlichen Vorposten der Franzosen nach Mallebern. An diesem Tage wurde der Pfarrhof mit Einquatirung verschont. Am 15. bekam ich einen Obersten mit einem Lieutenant als seinem Adjutanten mit ihrer ganzen Suite.


 

Aus dem Gedenkbuche der Pfarre Göllersdorf.

Vorliegender Bericht ist von dem damaligen Pfarrer von Göllersdorf, Dechant Anton Fidelis Namiesky verfaßt, unter dem das Gedenkbuch der Pfarre angelegt wurde. In der Einleitung zum Gedenkbuch bemerkt er: "Obschon gegenwärtiges Pfarr- oder Denkbuch erst ein Aufsatz ist, welches aus der Schrift, und Schreibart leicht zu ersehen ist; und erst sollte rein abgeschrieben; und zierlicher der Schreibart nach umstellt werden; so kann ich doch . . . versichern, daß alles, was indessen hier angezeiget ist, zuverläßigg, und gewiß sey.

1805.

Schon mannige traurige Epoche, widrige Umstände; empfindsame Verlegenheiten habe ich. in dieser Pfarrgeschichte angemerket. Aber alles vorige erreicht den Grad der Betrübniß, und des Schreckens nicht, welchen jene Begebenheit erweckte, womit das Jahr 1805 sich endete. Dieses war ein neuer Krieg mit Frankreich. Am 14. Octobris ist die k. k. österreichische Armee bey Ulm im Reich draußen geschlagen worden, und den 14. November war die ganze französische Armee schon über Wien, und über der Donau gegen uns herauf marschieret. Am 15. November, also am Festtage des hl. Leopolds standen Vormittag zwischen Schönborn und Göllerstorf bey 40.000 Mann französische Cavalerie. Diese marschierten sogleich alle durch Göllersdorf. Nachmittag gieng so viel, oder vielleicht noch mehr Infanterie hier durch. Am 16. November folgten ebenfalls so viele wieder nach. Den 17. geschah das nämliche. Es wimmelte alles von Franzosen. Man sah Niemand anderen auf der Straße gehen, reitten, oder fahren, als blos Franzosen. Kein östreichischer Soldat war hier zu sehen. Dieses verursachte eben unser größtes Schrecken. Man hat wohl gehört, daß unsere Armee bei Ulm sey geschlagen worden, man hoffte aber, daß, wenn sich die übrige kayserliche Armee retirieren wird, man diese eher auf ihrem Rückzug hier sehen werde, als jene des Feindes. Man irrte sich. Kein oestreichischer Soldat kamm hieher; sondern plötzlich, und ohne alles Vermuthen waren wir in den Händen der Franzosen. Wie dieses habe so still, und geschwind geschehen können; wird Gott wissen. Das ist doch keine so gemeine Sache, daß eine ganze und besonders so zahlreiche Armee (sie wurde auf 180.000 Mann geschätzt) in einem Monate vom 14. October bis 14. November von Ulm bis zu uns über Wien komme! Diese Ankunft war so still, und unvermuthet, daß die Leuthe wenig von ihren Habschaften auf die Seite räumen, und verbergen konnten. Man wird es nicht glauben wollen; aber wie ich es schreibe; so ist es in der That geschehen. Es gehört nicht zu meinem Plane; auch nicht zur Geschichte der Pfarr, die Veranlassung dieses traurigen Krieges hieher zu setzen; sondern was sich hier weiter zugetragen will ich zum Angedenken, und Belehrung für künftige derley Fälle (welches Gott gnädigst verhütten wolle) noch anführen.

Russen waren damals mit Östreich vereinigt. Allein die Russen haben sich schon bey St. Pölten von den Östreichern getrennt; und sind über Krems, Hadersdorf, Sitzendorf bis nach Oberhollabrunn gekommen. Um. diese aufzusuchen und hernach zu überwintern (wie es bereits geschehen ist) sind die Franzosen von Wien aus über die Donau hieher marschiret. Das erste Quartier, was ich von ihnen hatte, war ein Prinz mit Nahmen Murat, ein sehr leutseliger Herr, mit noch 16 Officieren, worunter mehrere Generale waren. Kaum waren diese abgezochen, kam Feld Marschall v. Sould, eben mit 16 Officieren, und einige Generale. So ging es immer fort: dergestalt, daß ich, während dieser Krieg dauerte, 6 Generale insbesonder: 79 Officier; und mit ihren Hausleuthen, als Bedienten 150 Mann, succehsive in beyläufig 5 Wochen zu bewirthen, und zu verkösten hatte.

Ich danke aber Gott, daß ich die Vornehmsten der französischen Armee bey ihrem Durchmarsch in Quartier hatte; dadurch blieb ich verschont, und wurde nicht wie meine H. Nachbarn in der ganzen Gegend von den gemeinen Soldaten mishandelt, geplündert, und vertrieben. So ist es dem H. Pfarrer in Hausleuten geschehen; dieser ist mit seinen 2 Geistlichen viermal rein ausgeplündert worden. H. Pfarrer in Asperstorf, Ferdinand Koppauer geplündert, und aus seinem Pfarrhof vertrieben worden, daß er bey großer Kälte durch 5 Tage im Walde herumirren mußte. Zu Pergau ist Pfarre und Kirche geplündert worden.

Zu Mailberg ist gar alles abgebrannt worden. Die Keller sind durchaus überall eingebrochen worden; der Muthwillen der Soldaten hat viele Fässer umsonst ausrinnen lassen. Wo was zu stehlen, oder zu plündern war, ist es geschehen. Man hat leider! erfahren, was es sey, den Feind im Lande zu haben!

Ich bin so ziemlich, wie ich erst gesagt, glücklich durchgekommen. Was ich in meinem Vermögen hatte, gab ich hin; und zwar mit einer freundlichen Miene und mit Bereitwilligkeit. Dies verdiente mir die Hochachtung und Liebe meiner feindlichen Gäste. Indessen kostete es mich vieles. Doch erhielt ich dabey mich selbst. Meine Habschaften; und ich darf auch sagen auch von meinen Pfarrkindern, daß sie nicht so gar hart sind hergenommen worden; weil ich den H. Murat und Generale nach Kräften wohl bewirthete. Mit 5 Speisen zu Mittag, und Abends 3, nahmen sie Vorlieb. Aber in der Frühe, und zu Mittag mußten wenigstens für jedweden zwey Schalen Caffee mit Obers seyn. Der Caffee ist daher auch bey dieser Gelegenheit beträchtlich hoch gestiegen. Das Pfundt von der schlechtesten Gattung kostete 3 fl. 30 kr., der Zucker 3 fl. 30 kr.

Nachdem der Feind die Russen zwischen Oberhollabrunn und Schöngrabern geschlagen wurden diese bis Znaim, von da bis Nikolsburg; und dann bis über Brünn hinausgetrieben, wo bey Austerlitz am 2ten December eine äußerst blutige Schlacht dem Krieg ein Ende machte, indem die Franzosen da einen glänzenden Sieg erfochten hatten. Diese Schlacht wird ewig merkwürdig bleiben. Drey Kayser waren dabey gegenwärtig: Der Kayser von Östreich, von Rußland und von Frankreich.

Je weiter der Feind gegen Brünn vorrückte, desto ruhiger wurde es immer bey uns; denn die meisten feindlichen Truppen gingen hernach über die Brünner-Straße über Wolkersdorf, und Poystorf. Indessen waren wir nicht ganz von ihnen frey. Einzelne, bey 10, bald mehr, bald weniger gingen immer theils hinauf, theils herab; und diese waren eben nicht weniger zu scheuchen. Um von ihrem Plündern sicher zu seyn, hat der Markt hier von einem H, Generalen, der in Stockerau blieb, eine Souv Gard anbegehrt, und auch erhalten. Dieser Mann blieb über ein Monat hier, auf Kosten des Marktes, welche eben nicht gering waren. Indessen war es doch immer besser einen kleinen Schaden zu leiden, als alles zu verliehren.

Gleich nach der fürchterlichen Schlacht bey Austerlitz in Mähren, unweit Brünn, ist der Fried geschlossen worden. Die Russen gingen nach Hause. Die östreichischen Soldaten waren ohnehin in Böhmen, und Ungarn. Die Franzosen retirierten ebenfalls; und bey ihrem Rückzug hatten wir hier wenig mehr zu leiden, Sie gingen über Oberhollabrunn nach Kirchberg am Wagram, andere über Stockerau eben nach Kirchberg, und von da über Krems, St. Pölten etc. nach Frankreich zurück.

Östreich hat so was noch niemalen erlitten. Gott wird es wissen, wer dem Lande eine so empfindliche Strafe zugezochen. Die Hauptstadt, Wien, war in den Händen der Feinde. Sonst geschahen zwar keine Plünderungen; denn 30000 Bürger waren immer bewaffnet; und zur Gegenwehr bereitet. Aber desto mehr mußte die Stadt Brandschatzung zahlen. Desto häufiger waren die Plünderungen am Lande. Sie waren von aller Art. Pferde,

Kühe, Schafe, Schweine etc. wurden aus den Stallungen weggenommen; Geld wurde von den Leuten erpresset; Kleidungen wurden vom Leibe gerissen; Wein in der Menge wurde aus den eingesprengten Kellern geschleppt. Überall, wo der Feind gewesen, war das Elend noch größer, als hier zu Göllersdorf. Oberhollabrunn hat in dieser Gegend vorzüglich gelitten. Da waren mannige, die allein jeder über 20.000 fl. Schaden gehabt. Dies geschah vorzüglich daher, weil sich anfangs zu Oberhollabrunn die Russen lagerten, wo hernach zwischen Hollabrunn, und Schöngrabern eine fürchterliche Schlacht gewesen. Nachdem die Russen geschlagen, und weiter getrieben worden, zochen die Franzosen in Oberhollabrunn ein und schonten nichts.

Es sind bey der Schlacht außer Hollabrunn viele Russen zu Kriegsgefangenen gemacht worden. Ein großer Theil davon nach Göllerstorf geführt und in der Loretto als Spitallkirche hier einquartiert worden. Bey dieser Gelegenheit wurde dieses Gotteshaus sehr übel von den Kriegsgefangenen zugerichtet. Den eisernen Gattern haben sie eingesprengt; die vorfindigen Meßkleider zerrissen; die Altäre entheiligt und den Unrath überall ausgestreuet, dergestalt; daß lange Zeit keine Andacht mehr dort konnte gehalten werden, bis die Kirche wieder reconcilieret wurde. Die Pfarrkirche aber hier blieb ganz unverletzt und von allem Frevel frey. Allein die Kirchenthüren waren immer fest geschlossen, keine Glocke auf dem Thurme wurde geläutet. Der Gottesdienst selbst blieb in den ersten Tagen, wo die Feinde am zahlreichsten waren, ganz aus. Es war gerade wie zur Zeit eines Interdict. Später und nachdem sich der Feind immer weiter weggezochen ist die hl. Messe bey geschlossenen Thüren gelesen worden; bis endlich bei größerer Sicherheit auch diese dem Volke wieder konnte

geöffnet werden. Die Kranken sind eben nur in der Stille und ganz verborgen versehen worden. Deren gab es damals sehr viele. So wenig im Sommer hindurch waren, desto häufige waren sie jetzt. Der Schrecken, über die so plötzliche Erscheinung eines so fürchterlichen Feindes, brach bald in tödtliche Krankheiten aus. Viele starben. Einige auch jählings. Endlich wurde eine Epidemie daraus, wie es gewöhnlich die Folge bei blutigen Kriegen ist. In mannigen Häusern hier lagen 5 Personen auf einmal krank. Sie wurden nämlich von den vielen plessierten, und Kranken, theils Russen, und Franzosen, die in den Häusern vertheilt lagen, angestecket. Der hiesige Ortschirurgus hatte alle, auch die feindlichen Soldaten zu behandeln. Kein Arzt vom Militär, oder Feldscher war hier. Keine Feld-Patres waren auch nicht. Indessen machten uns weder die Russischen Kranken, noch die französischen vieles zu thun. Zwey einzige französische haben die Lossprechung anverlangt. Deren liegen aber 6 im hiesigen Pfarrfreydhofe beerdigt worden. Hinter Viendorf liegen Russen begraben.

Noch muß ich anmerken, daß jene Ortschaften von dem Feinde immer umso härter sind hergenommen worden, wo die Leuthe entweder ihre Häuser verlassen hatten, oder wo man sich weigerte ihnen Essen, Trinken, und Verpflegung zu verschaffen. Je williger diesfalls die Leuthe sich zeigten, desto leichter sind sie auch durchgekommen. Da Göllersdorf diesfalls alles mögliche leistete, ist es auch mehr als alle umliegenden Örter verschont geblieben, dergestalt, daß nach geendetem Kriege, als die östreichischen Truppen wieder durchmarschierten, diese im Vergleiche gegen andere Ortschaften, kaum glauben wollten, daß in Göllerstorf der Feind ebenfalls gewesen sey.

Denn anderweitig sahen sie abgebrannte Häuser; eingesprengte Thüren, zerschlagene Fenster etc. Hier, Gott Lob! blieb alles ganz. Indessen ist aber doch der Schaden von hier im ganzen, die Unterthanen allein betrefend, geschätzet worden auf 25.000 fl. Schon die Verpflegung so vieler Truppen kostete vieles. Am Lepoldi Tag sind zu Göllerstorf über 6000 Mann gelegen. Wo sie was nehmen konnten, ist es geschehen; und besonders wenn die Leute ihr Geld nicht vorsichtig genug verwahrten. Mannige haben dieses unter dem Fußboden verstecket. Wie dies bemerket wurde ist der Fußboden aufgerissen worden; und das Geld genommen worden. Man hat müssen klug, und vorsichtig zu Werke gehen, um etwas verborgen zu erhalten. Selbst im Orte gab es böse Leute, die dem Feind die verborgenen Habschaften anzeigten. Es war gar nicht rathsam auch den einheimischen seine Geheimnisse zu entdecken. Die Furcht vor dem Feinde war Ursache daran.

Eben weil der Feind im Lande war ist es geschehen, daß in diesem Jahre die gewöhnliche Weihnachtsmette nicht um 12 Uhr Nachts ist gehalten worden, sondern ist diesfalls folgendes verordnet worden: nämlich: die dermalige Lage des Erzbischöflichen Wienerischen Kirchensprengels, die vielen und schweren Sachen des Volkes, die nothwendig besondere Aufsicht auf die eigenen Haushaltungen fotdern, daß man allen möglichen Zusammenfluß der Leute, so viel es möglich ist, verhüte. Aus diesem Grunde werden in der Christnacht alle Kirchen, ohne Ausnahme, der ganzen Diözes gesperrt bleiben, und alle Messen in der Christnacht, auch in Privat-Oratorien, und Kapellen streng untersagt. Die Metten, das Hochamt, die andern h. h. Messen sollen am Christtage selbst um 5 Uhr früh anfangen. Dieser Befehl ist von dem hochwürdigen Erzbischöflichen Konsistorium erlassen worden - und zwar auf höchste Verordnung Seiner Hochfürstlichen Gnaden des H. Erzbischofs.

Endlich ist Fried geworden und die französischen Truppen haben einen freundlichen Rückzug genommen. Am 6. Jänner 1806 hatten wir hier zu Göllerstorf diese Gäste das letzte mahl zu bewirthen. Da gieng aber alles ordentlich, und Niemand wurde mehr beschädigt. Am 16. Jänner ist der k. k. Hof wieder feyerlich in die Stadt Wien eingezochen; ist in der St. Stephanskirche abgestiegen; und hat dort dem Te Deum Laudamus beygewohnt. Im ganzen Lande ist am folgenden h. Dreyfaltigkeits-Sonntage in allen Kirchen das Dankfest für den erhaltenen Frieden begangen worden. Mannige Ortschaften haben in der Folge einige Entschädigung erhalten. Auch unter den H. Seelsorgern ein und andere, die ohnehin geringe Einkünfte hatten; und auch vom Feinde besonders gelitten, eine Vergüttung bekommen. Diese Vergüttungen waren freilich nicht ergibig, und haben den Schaden bey weitem nicht ersetzet. Man war aber dennoch zufrieden; weil nur wieder Ruhe war. Denn Niemand wird die widrigen Empfindungen beschreiben, welche die Anwesenheit des Feindes verursachet.

1809.

Der Krieg mit den Franzosen begann abermals im Jahre 1809. Der Marsch ging von Seiten Österreichs rasch durch Bayern, und es kam zu Regensburg zu einer Hauptschlacht, die aber für Österreich unter Anführung des Generalissimus Erzherzog Karl K. H. unglücklich ausfiel, so daß der größte Theil unserer Armee nach Böhmen retirierte, und nur ein kleines Chor über Krems herüberging, indessen die Franzosen so zu sagen in Eilmärschen nach Wien zu eilten, welches sie nach einem Bombartment von einigen Stunden einnahmen. Jetzt kam auch unsere Armee aus Böhmen, und lagerte sich dießseits der Donau außer Wien. Der Feind zoch sich in die Insel Lobau, um von da über die Donau zu setzen. Bei dieser Gelegenheit entspann sich eine Hauptschlacht, wo die zum Streite aufgestellten Franzosen furchtbar litten, und ihre Reserve durch Wegreißung ihrer Communicationsbrücke sammt ihrem Anführer Napoleon dem Untergang ihrer Kameraden schmerzlich zusehen mußten, und zwischen zwey Donau Armen durch mehrere Tagen mit dem äußersten Mangel rangen. Da jubelte alles bey uns, daß endlich einmal der stolze Held gedemüthigt sey. Allein diese Freude dauerte nur einige Wochen, wo bey einer 2te- Schlacht die österreichischen Heere weichen mußten.

Nun begannen Schrecken, Unglück und Noth. Unsere Armee retirierte auf der Brünner und Prager Straße in Masse, da wurde auf den schönsten zum Schnitt schon reifen Kornfeldern gelagert, und alles zertretten. Bey dieser Retirade nahm der kommandierende Generalissimuß Seiner Kaiserliche Hoheit Erzherzog Karl, Bruder Seiner Mayestät Kaiser Franz im hiesigen Pfarrhof sein Quartier. Mehr als 50 Grenadiere lagerten im Hofe als Leibwache, welche schon durch 3 Tage nichts zu essen hatten, und auf den folgenden vertröstet wurden, und doch blieb alles auch das Federvieh im Pfarrhofe unangerührt. Am andern Tag als den 8ten July kamen seine Mayestät selbst schon früh von Oberhollabrunn seinen erhabenen Bruder zu besuchen. Sie redeten durch mehr als eine Stunde allein, worauf der Monarch wieder nach Oberhollabrunn zurückkehrte, wohin ihm am Abend der Generalissimus folgte. Jetzt waren die Franzosen schon bis Stockerau vorgedrungen, und so weit man sehen konnte brandten allenthalben die Ortschaften. Man denke sich die Angst, in der wir diese Nacht zubrachten. Die meisten Leuthe flüchteten in die Wälder und Seiten Örter. Hier blieben kaum 10 Haus Väter. Am andern Tag früh gegen 7 Uhr des 9ten Julius sprengten die ersten Franzosen auf den Platz, und nach einigen Pistolenschüssen rückten einzelne Mannschaft nach, ich mußte ein Thor am Schwibogen öffnen, man forderte Wein und Brod, welches ihnen gereicht wurde, aber bald drang Infanterie und Reiterey so zahlreich ein, daß in weniger als einer halben Stunde mehr als 6 Eimer Wein von mir in dem Keller ausgeschenkt, und aus der Küche wohl 100 Personen verpflegt wurden. Bei dieser Gelegenheit mußte ich Augen Zeuge seyn, wie ein bayrischer Soldat all meinen weißen Tisch, und Leinen Zeich im Keller fand, und davon trug. Als der Wein gar war, ließ man mich aus dem Keller, und itzt forderte man Hemden und Tücher, ich gab, so lange ich hatte, und führte zuletzt selbst einen Soldaten in das Zimmer, um den leeren Kasten zu zeigen. Nur ein Hemd, und zwei Tücherl behielt ich zur Vorsicht für mich zurück. Als nun Brot und Wein, und alles Gekochte verzehrt, und ich von meiner Tisch, Bett, und Leibwäsche rein ausgeplündert war wurde mir der französische Marschall Massena mit noch 15 Officiers als Quartier angesagt, und weil man keine Stunde bestimmen konnte, wurde sogleich zu kochen angefangen. Jetzt war Wache und Gendarmerie vor dem Pfarrhof, und im Jnnern alles ruhig. Den nöthigen Wein verschaffte der Hofbinder. Kaum war abgekocht, so wurde der Marschall abgesagt, aber statt ihm aßen die bereitete Mahlzeit die Herren Generals und Officiers, wie diese fort waren, wurde der Marschall neuerdings angesagt, und neuerdings gekocht, abermals abgesagt, und von Officiers verzehrt, und so geschah es fünfmal, bis endlich abends der Marschall zum 6ten mal angesagt wurde, und für ihn gekocht wurde, wo er denn mit seiner Suite ankam. Dieser Mann ist der Trotz und die Rohheit selbst. Nichts konnte er weniger anhören als das Wort: ich bitte, und so mußte man sich selbst von seinen Dienstleuthen alles gefallen lassen, und noch mit der höflichsten Art umgehen. Da ich kein gewaschenes Tischzeuch hatte, mußte ich mitten durch die Franzosen gehen, und im Markte etwas borgen, wo ich beym Schullehrer und Hofbinder ein Tischtuch, und einige Servietten bekam, und mit Gefahr nach Hauß brachte. Um Brod ging eine Wache mit mir zum Bäcker, wo ich es brennend heiß aus dem Ofen bekam. Diese ganze Nacht wurde zu ebener Erde von den französischen Officiers gegessen, und getrunken, und da ich am andern Morgen bey allen Bitten weder eine Sauve Gard, noch einen Gensdarm erhalten konnte, beschloß ich mit allen meinen Leuthen nach dem Abmarsch des Marschalls den Pfarrhof zu verlassen, ich schickte eines nach dem andern fort. H. Exinger Kaufmann von hier nahm die meisten liebreich auf, ich und meine Dienstleuth flüchten zum H. Hofbinder. Als das Marschieren etwas aufhörte, glückte es etwas Federvieh, und beide Kühe zu retten, alles übrige wurde eine Beute der Feinde, welche, da sie niemand im Pfarrhofe antrafen nun nach Belieben walteten. Kirche Sakristey, Archiv, alles wurde gewaltsam erbrochen, und was nicht verborgen war theils geraubt, theils zerrissen, nur Protokolle, und Grundbücher blieben unversehrt. Vierzichtag erflossen, ohne daß jemand im Pfarrhof bleibend war. Man kann sich also leicht denken, welcher Muthwillen von den immer einzeln durchziehenden feindlichen Truppen verübt wurde. Stroh, Schriften, Bücher, Meßkleider, welche entweder zerrissen, oder der Borten beraubt waren und selbst aller Art Unrath lag überall untereinander. Da muß ich auch aufrichtig bekennen, daß in meinem Pfarrhof an Einrichtungen nichts muthwillig zerstört wurde, nicht einmal ein Fenster war eingeschlagen, auch blieben wir von Feuer befreit. Bey Znaym wurde abermals eine Schlacht gewagt, und während selber ein Waffenstillstand unterhandelt, und zu Stande gebracht. Nun brach die Französische Armee auf, um ihre österreichischen Quartiere bis nach abgeschlossenen Frieden zu beziehen. Nun war es mit Plünderungen ruhiger, aber desto kostspieliger waren die Einquartierungen, nicht nur, daß von den Gemeinden für die Officier alles nach ihrem Verlangen, mußte herbeygeschafft werden, so forderten sie auch für die gesammte Mannschaft alle Gattungen von Kleidungsstücken, und mußten ihnen selbe umsonst abgereicht werden. Dadurch geriethen alle Gemeinden in drückende Schulden, unser Markt Göllersdorf allein hatte, nebst dem daß jeder einzelne Bürger seine Lasten zu tragen hatte, eine Schulden Last von einigen 20 tausend Gulden; denn die Franzosen blieben bey uns bis Weihnachten. Jetzt suchte nun jeder wieder seine Sachen in Ordnung zu bringen, das vergrabene, vermauerte, versteckte wurde hervorgesucht, aber da jammerte mancher, wenn er seine Habseligkeiten halb vermorscht fand, und fast eben nicht mehr davon hatte, als wo der Feind es gefunden, und geraubt hatte. So wie die Franzosen aus dem Lande waren, stieg alles, was man ansah, bis zum Erstaunen im Preis. Die Ursachen hievon waren Theils der Wucher, Theils so sehr gesunkene Preis der Banko Zettl, wovon man im Jahre 1810 um 100 fl. klingende Silber oder Gold Münzen zu erhalten 1000 bis 1200 fl. in Banko Zettl bezahlen mußte. Der Dukaten wurde über 50 fl. B. Z. bezahlt, und das 20 kr. Stück zu 4 fl. B. Z. Hingegen kostete auch ein paar Stiefel 50 fl. ein paar Schuh 12-14 fl. Der Eimer zweyjariger Wein 70 fl. Das Getreide der Metzen bis 50 fl. der Waitzen 70 fl. Gerste über 40 fl. und der Haaber über 30 fl.

Ich mußte zu meinem höchst nöthigen standesmäßigen Bedarf täglich 10 fl. in die Fleischbank schicken, der geringste Dienstboth hatte bei 100 fl. Es fragt sich, wie solche Leute, welche nichts zu verkaufen hatten, und alles kaufen mußten, damals haushalten konnten? Antwort. Alle Waaren Verfertiger, und Verarbeiter, alle Händler stiegen nach Verhältnis des Werthes des Papiergeldes im Preis, und die Handwerksburschen in ihrem Taglohn, so hatten Maurer, und Zimmerleute täglich nebst guter Kost, und 2 Maß Wein über 4 fl. B. Z. und so verhältnismäßig der Tagwerker. Beamte sowohl kayserliche als herrschaftliche erhielten erstere vom Landesfürsten, letztere von ihren Herrschaften beträchtliche Zulagen. Aber wie sah es mit der Geistlichkeit aus, die weder Zehende, noch Wirtschaften hatten? Auf diese wurde nicht gedacht. Man kann sich daher bei diesem fast unglaublichen Preis aller Dinge das Elend vorstellen, das ich, und so viele meiner Mitbrüder durch eine geraume Zeit ertrugen, indem nicht einmal die Stollgebühren höher zu nehmen öffentlich angeordnet wurde.


 

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Gross-Stelzendorf.

"Unter seiner (des Pfarrers Ignaz Weigl) Anwesenheit in Gross-Stelzendorf ist weiter nichts Merkwürdiges vorgefallen, als daß er 2 mal die feindliche französische Invasion 1809 und 1809 ausstehen mußte, wo er sehr viel gelitten, mit den Pfarrkindern in den Wald geflohen und sich allda eine Zeitlang, bis zum Waffenstillstand aufhalten mußte, und das erleben mußte, daß 3 Hausbesitzer, die ihren Häusern nachsehen wollten beim

Friedhof erschossen worden, weil die Franzosen sie für Spione gehalten haben. Jedoch muß ich (Josef Küstner Pfarrer) dies noch sagen, daß während seinem Aufenthalte im Walde die Franzosen in die Kirche eingebrochen, alle Meßkleider in unbrauchbaren Zustand gesetzt, die silbernen wie Goldporten ab getrennt und alles Werthafte in der Kirche geplündert haben; die dann erst durch mich Unterzeichneten im Jahre 1819 wieder in brauchbaren Stand gesetzt worden."


 

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Breitenwaida.

Das Merkwürdigste ist, daß im Jahr 1805, den 15. November früh um 11 Uhr, die Franzosen als Feinde nach Breitenwaida gekommen sind. Drei Mann, worunter ein Unteroffizier war, plünderten den Pfarrer, nahmen ihm seine silberne Sackuhr und 194 fl. theils an Kupfermünze und Bankozetteln. Nachts darauf waren 6800 Mann unter dem Commando des Generals Merlin hier, welche des Pfarrers Keller erbrachen und seinen ganzen Wein verlor. Der ganze Schaden, den der Pfarrer theils durch Einquartierung des Generals Merlin, Offizieren und Domestiquen hatte, beläuft sich sehr gering gerechnet auf 663 fl.

Im Jahre 1809 sind die Franzosen zum zweitenmale als feindliche Völker in diese Gegend gekommen und haben durch Plünderungen und andere Ausschweifungen die hiesige Landbewohner in große Angst und Noth versetzt.

Das Taufprotokoll Tom. 1 enthält auf dem 1. Blatt den Vermerk: "Dieses Taufprotokoll ist bei der feindlichen Invasion der Franzosen 4 Wochen unter der Erde vergraben worden. Daher ist dasselbe so übel zugerichtet."


 

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Bergau.

Diese Aufzeichnungen aus dem Jahre 1805 stammen von dem damaligen Lokalkaplan Valentin Schwab, der am 22. August 1805 auf die Lokalie Bergau investiert wurde, jene vom Jahre 1809 sind von dem im Jahre 1808 in Bergau investierten Lokalkaplan Johann Anton Bonn verfaßt.

1805.

Den 16ten November 1805 besuchten die feindlichen französischen Truppen auch den Ort Bergau, plünderten an diesen Tag den Pfarrhof sieben Mahl, brachen am hellen Tage gewaltsam in die Kirche, zerhauten alle Thüren, sprengten den Tabernackel auf, zerstreuten die hh. Partikeln, traten selbe mit Füßen, zerrißen die Leinwäsch, und nahmen Kelch, Rauchfaß, Schifl und dergleichen mehr mit sich fort.

1809.

Den 11ten July im Jahre 1809 besuchten abermals die feindlichen französischen Truppen den Ort Bergau, plünderten 13 Tage hindurch im Streif- und Durchzuge alles aus, suchten das Verborgene auf, und fanden das Meiste, brachen in die Kirche ein, sprengten nach zerhauten Thüren, auch den Tabernakel auf, warfen die Monstranze herunter und traten alles mit Füßen, plünderten die Leinwäsche nebst einem meßingenen Kelche und dergleichen, und was ihnen zu schlecht war, zerrißen sie. Auch das verborgene silberne vasculum pro sacris oleis in der Kirche wurde ein Opfer ihrer heißen Plünderungssucht. Sie waren überhaupt viel raubbegieriger und grausamer vorzüglich gegen die gesammte Geistlichkeit, als im Jahre 1805. Merkwürdig aber ist es noch, daß selbst die Truppen der österreichischen k.k. Armee bei ihrem Retirade gegen Znaym zu am 8ten 9ten und l0ten July obgedachten Jahres hierorts, wie überal, die Keller aufsprengten, und alles, was sie in der Geschwindigkeit erwischen konnten, ausplünderten. Auch in den hiesigen Pfarrhof brachen sie am 8ten July gewaltsam am hellen Tage ein, zersprengten Vorder- und Hinterthüre, nahmen das silberne Vasculum pro viatico et oleo infirmorum, Kirchen- und Pfarrgeld, alles vorfindliche Vieh, und alles, was sie nur fortschleppen konnten, trotz allem meinem Bitten und den rührendsten Vorstellungen, mit sich ins Lager auf den Hundsberg fort.

Die vorzüglichen Ursachen eines so feindseligen Betragens waren:

  1. der Hunger, indem sie auf ihrem Retirade wenige oder keine Lebensmittel hatten,
  2. die schon vorher ergriffene Flucht der Einwohner fast im jedem Dorfe, wodurch sie desto mehr Courage bekamen, allenthalben zu plündern und zu rauben,
  3. ihre falsche Meinung, mit mehr Recht plündern und rauben zu dürfen, weil ohnehin von den avancirenden französischen Truppen nichts verschont bliebe.

Nachdem aber alles Vorfindliche von den k. k. österreichischen und französischen feindlichen Truppen ausgeplündert war, so hatte das Elend noch nicht ein End, sondern wurde durch ein 10 wochentliches Standquatier französischer Curaßiers hierorts noch mehr vergrößert, indem die Bewohner durch Herbeischaffung ausgesuchter Lebensmittel, der Foutrage und durch aufgelegte allzuviele Contributionen grausam gemartert wurden. Auch im hießigen Pfarrhofe blieben 10 Wochen lang 2 französische Officiers im Standquatier, ihre Verköstigung mußte die hiesige Gemeinde bestreiten, aber ich wurde wegen des engen Raumes zu wohnen alhier gleichsam zum Gefangenen gemacht und Tag und Nacht beunruhiget.


 

Aus dem Gedenkbuch der Pfarre Aspersdorf.

1805.

Dieser Bericht ist von dem im Jahre 1808 als Pfarrer nach Aspersdorf gekommenen Dechant Anton Fidelis Namiesky nachgetragen. Von dem Pfarrer Koppauer, der 1805 in Aspersdorf Pfarrer war, finden sich keine Aufzeichnungen über die Kriegsereignisse.

Unter Parrer Koppauer geschah es anno 1805, allwo die Franzosen im Lande waren, daß der Pfarrhof hier geplündert wurde. Dies hat sich zugetragen, während die Franzosen mit den Russen, Österreich alierten, zwischen Hollabrunn und Schöngrabern eine blutige Schlacht hatten; wobei die letzteren weichen mußten. H. Pfarrer Koppauer hat sich mit seinen damaligen H. Kooperator Spangler (der ein Jahr darauf hier gestorben ist; und im hiesigen Friedhof neben dem Kreutz begraben liegt) nach einigen Mißhandlungen aus dem Pfarrhof gemacht, und ist einige Täge flüchtig im Walde herumgegangen, bis der Feind weiter gezochen, und in Mähren bei Austerlitz den Russen eine neue Schlacht geliefert; worauf 1806 Fried geworden; oder vielmehr noch im vorigen Jahre, in den letzten Tagen des Monat December der Preßburger Fried erfolgt ist. H. Koppauer hat seinen erlittenen Schaden auf 11000 fl. geschätzt; jedoch ist ihm die Fexung im Stadl unverletzt geblieben; wodurch er viel Erhollung schöpfen konnte.

 

1809.

Dieser Bericht ist von dem damaligen Pfarrer von Aspersdorf Anton Fidelis Namiesky verfasst.

Aber 1809 war es hier noch viel trauriger. Ein neuer Krieg mit den Franzosen ist ausgebrochen. Man hätte glauben sollen dießmal würde es für Österreich besser ausfallen. 800.000 streitbare Männer waren auf den Beinen. Der Feind erhielt dessen ungeachtet die Oberhand. Den 21. u. 22. May gerade am h. Pfingst Sonn- u. Montag wurde bei Aspern an der Donau eine äußerst blutige Schlacht geliefert. Damals waren die Österreicher Obsieger; und der Feind gieng nach Wien zurück -, welches er den 11. May schon zuvor nach einigem Wiederstand eingenommen hatte.

Am 5. July darauf setzten die Franzosen unter Aspern abermals über die Donau, an diesen, und am folgenden Tag war das Treffen noch blutiger, als zu Pfingsten, endlich wurde der linke Flügel der österreichischen Armee geworfen, und dann fieng selbe an sich bis Znaim zu retirieren; wo der Feind sie Schritt für Schritt verfolgte. Zu Korneuburg, Sirndorf, Göllersdorf; Oberhollabrunn, Schöngrabern, überall wurde stark scharmützelt. Am 9ten traf es Oberhollabrunn wo der Feind einigermaßen zurückgedrängt wurde. Am 10. Julius war Schöngrabern der unglückselige Schauplatz, und wurde ganz abgebrannt. Für Aspersdorf war dies eben ein unglückseliger Tag, auf welche hernach immer noch mehr dergleichen folgten. Abgebrant, Gott Lob! ist der Ort zwar nicht worden, aber alle Häuser, vorzüglich der Pfarrhof, rein ausgeplündert, die Keller erbrochen, Thüren, Fenster, Öfen etc. zerschlagen, alle Einrichtungen geraubt, kleines und großes Vieh hinweggetrieben, mit einem Wort: wir wurden ganz ausgeleert, und um unsere Haabe gebracht. Einige Menschen in der Gegend kostete es auch das Leben. Mir selbst ist 5mal der Säbel angesetzet worden, meinem damaligen H. Kooperator, Johann Kochannek wollte man eben den Kopf abschlagen, durch kayserliche Uhlanen ist er noch unvermuthet gerettet worden, die zufällig über Wieselsfeld hierher sprengend, die Franzosen verjagten. Dieser Herr Kooperator blieb am längsten hier. Der ganze Ort hat sich schon am 9ten in den Wald verlassen. Am 10ten mußten dann ich, und mein Herr Kooperator uns eben flüchten, weil uns schon alles abgenommen, und wir nicht mehr des Lebens sicher waren. Dieser aber hat sich noch etwas länger hier verweilt, und kam hiedurch in die äußerste Gefahr. Endlich folgte er auch; aber nur bis Wieselsfeld. Ich gieng dem Walde zu. Wir wußten einer von dem andern durch etliche Tage nichts. Zu Aspersdorf waren nur blos Feinde; die überall, sogar in der Kirche, nichts als wütheten. Alles wurde in der Kirche zertrümmert; der Tabernakel umgehauen; und alles geöffnet. Aber doch muß ich einer besonderen Sache erinnern, die einem Wunder ähnlich ist. In der Kirche steht seitwärths eine kleine Mutter Gottes Statue auf einem Postament, welches hol ist. Unter selbem lag ein silberner Kelch verborgen. Der Feind suchte daselbst mir Gold und Silber; und nachdem er alles in der Kirche zerschlagen, und herumgeworfen, ließ er diese Mutter Gottes Statue ruhig stehen und so blieb auch der silberne Kelch seiner Raubbegierde verborgen.

Am 13ten July ist Waffenstillstand geworden, nachdem noch an diesem Tag die Österreicher und Franzosen sich bei Znaim erbärmlich mitsammen geschlagen. Der wirkliche Fried erfolgte aber erst Anfangs November d. J., der für Österreich nicht am besten ausfiel; indem Tyroll, Salzburg, das ganze Litorale; und auch ein Theil von Gallicum verloren gieng. Während des Waffenstillstandes sind in ganz Österreich die Franzosen einquartiert geblieben; Aspersdorf hatte eine Compagnie Chavalerie. Im Pfarrhof alhier wohnte ein Oberleutenant, nebst zwey gemeinen; und 4 Pferdte, sie mit allen mußten verpflegt werden. Von 18ten September, bis 19ten November dieses Jahres mußte ich diese feindlichen Gäste bewirthen, obschon ich selbst nichts mehr hatte. Gott sei es aber gedankt! Denn der Herr hat für uns gesorgt. Kein Mensch denkt es, daß in ganz Österreich jemals eine so reichliche, und gesegnete Ernte war; als 1809. Zwar haben viele Gemeinden, ans Furcht wegen der Anwesenheit des Feindes ihre Fexung auf dem Felde bis späten Winter liegen lassen, wodurch auch vieles davon zu Grunde gegangen, und verfault ist. Hier aber zu Aspersdorf ist da meiste, wo nicht ganz alles hereingebracht worden; und man muß es den Franzosen nachsagen, daß sie hierin niemanden verhinderlich waren; sondern selbst zur Einbringung der Fexung mitgeholfen haben. Doch aber haben die Leute auswärtig nicht getrauet, weil sie Feinde waren.


 

Aus dem Gedenkbuche der Pfarre Schöngrabern.

1805.

Harte Trübsale hatte Schöngrabern besonders im gegenwärtigen Jahrhunderte theils durch feindliche Invasionen theils durch Feuersbrünste zu erleiden. Am 15ten November 1805 befand sich die Avantgarde der Franzosen zu Oberhollabrunn, und auf den Anhöhen von Suttenbrunn hatten sich die Russen unterm Commando des Fürsten Bankration in Schlachtordnung aufgestellt. Es kam zu einem hitzigen Gefechte, welches bis in die Nacht hineindauerte. Die Absicht der Russen war, die Franzosen aufzuhalten, damit ihre Waffenbrüder die von Krems nach der bei Stein und Dürrenstein gelieferten Schlacht zurückmarschierenden Russen Zeit gewännen, und nach Mähren zurückkämen. Der Russische Flügel-Adjutant Pinzingerode schloss daher Waffenstillstand. Am 16ten kam Napoleon zu Oberhollabrunn an, und kündigte den Waffenstillstand auf. Die Russen hatten sich hinter Schöngrabern gegen Grund zurückgezogen, und sich um das Dorf Grund herum gelagert. Am 17. November um 4 Uhr abends fing eine Schlacht an, die bis in die Nacht fortdauerte. Schöngrabern ward in Brand gesteckt, durch welchen 65 Häuser in Rauch aufgingen. Es sollen beiderseits 5000 Mann auf dem Platze geblieben seyn, theils verwundete, theils Todte. Die Todten konnte man eigentlich nicht berechnen, da sie in der Nacht eingegraben wurden. Unter den Verwundeten war General Oudenot. Verwundete und halb todte Russen sah man noch 8 Tage nach der Schlacht auf dem Kampfplatze dem Hunger und der rauhesten Witterung preisgegeben. Einige krochen in den benachbarten Nexenhof und wurden, wie vermuthet wird, als der Hof in Brand gerieth den Flammen zur Beute. Nicht wenige Todte sind im Pfarrhofgarten in der Nähe der Scheune begraben worden. Von den Verwundeten waren die Häuser voll. Das ganze Corps zog sich in der nähmlichen Nacht in guter Ordnung nach Znaym, wo Kutosoff schon über die Thaya passiert war. So erzählt Aemilian Janisch Benediktiner von Göttweig in seiner "Merkwürdige Geschichte der Kriegsvorfälle von 1790 bis 1807" II. Bd.

1809.

Kaum hatten die Einwohner ihre Häuser aufgebaut, und sich von den erlittenen Verlusten nicht einmal erholen können, da drangen in Jahr 1809 nach der Schlacht bey Wagram die Franzosen über Oberhollabrann vor, denen sich die Österreicher hier entgegenstellten, um ihnen den Durchzug durch Schöngrabern zu verwehren. Allein der Markt wurde von dem Feinde beschossen, Kirche Pfarrhof, Schule, der ganze Ort stand bald in hellen Flammen, die Österreicher. vermochten nicht des ungestüm vordringenden Feindes sich länger zu erwehren. Die Einwohner hatten sich größtentheils geflüchtet, und fanden nach der Rückkehr nichts als gräßlich verwüstete Wohnungen. Im Pfarrhof gingen die älteren Matriken und anderen Dokumente zu Grunde.


 

Aus dem Gedenkbuch des Marktes Wullersdorf.

Das Gedenkbuch, dem folgende Notiz entnommen ist, führt den Titel: "Ingedenkbuch. Über die bey dem, dem Fürstlichen Stift und Kloster Mölk angehörigen Markt Wullersdorf hervorragenden Gerichts Händl, Beschau, verschiedene Vergleich, Proceß, und andere ereignenden gmainen Markts Sachen. Welches Aufgericht worden Unter dem Erenfesten und Wohlweisen Herrn Franz Kaspar Müllner dermaligen Marktrichtern, wie auch Kauf- und Handelsmann Anno 1756."

Aus dem Jahre 1805 ist keine Aufzeichnung vorhanden, dagegen bemerkt das Gedenkbuch zu dem Jahre 1809 Folgendes:

In diesen und vorigen Jahre haben die Feinde der Franzosen zum Erstenmalle in Österreich eingedrungen und sehr übel gewüthet, unser Hauptstadt Wien besetzt, von da gingen sie, weill sie nicht 100 Millionen Gulden, und nicht eingewilliget wurtten, bis nacher zneym, alwo hitzig geschlagen wurte, und so nach die Friedensbedingnisse eingeleittet und den Rückmarsch wiederum zurückh nacher Wien angetretten, und den Frieden außgearbeith, wärent solcher zeit aber alle Örther in Österreich mit denen Franzosen belegt worden sind, alwo solche ganz neu gegleit werden mußten, und mit bester Kost versehen worden sind, wo man oft über Felt in andere Städt und Märkte Verschiedenes nach Ihrem gusto und Muttwillen mußte herbey geholt werden. Alhier im Hause Nr. 35 seyn ohnzweifl der französische Kaiser Napoleon über Nacht gelegen, und im Hauß Nr. 131 ein Prinz, alß solche Feinde von Zneym zurückh marschieret sind, blieben sie übernacht, beim frühen aufbruch aber alles in Häußern unt und über sich gestirzt und Villes geraubt, in hinein gehen nacher Zneym ist dreymallen einquartiret worden, daß fast in Häußern kein Blatz mehr gewesen ware.