Georg PFEIFER als Dichter

Abgesehen von einigen Jugendgedichten aus der Studentenzeit stammten die meisten seiner Gedichte erst aus verhältnismäßig späten Jahren. Erst mit 60 Jahren, fand er die erforderliche Muße, um sich in größerem Umfang dem dichterischen Schaffen zu widmen. Vielfach gab ein äußerer Anlaß den Anstoß zur Entstehung seiner Gedichte. Mancher Scherz, den er gehört oder gelesen hatte,wurde im Vorhaus seines Weinkellers in Verse gefaßt. Beim flackernden Schein einer Kerze schrieb er zumeist auf ein leeres Papiersäckchen, in dem er sich sein Stück Brot in den Keller mitgenommen hatte, seine Gedichte. Manche entstanden aus der Eingebung des Augenblicks gleichsam in einem Guß. An anderen feilte er wochen- und monatelang, bis ihn die Form befriedigte.
Alle aber konnte er auswendig. In schlaflosen Nächten pflegte er sie zu wiederholen. Er war imstande eine Gesellschaft drei Stunden lang mit seinen Gedichten und Scherzen zu unterhalten, ohne sich zu wiederholen. Darum wurde er auch gerne zu Veranstaltungen als Vortragender geladen. Er besaß nicht nur die Gabe des Dichters, der seine Gedanken zu Papier bringt, sondern im gleichen Maße auch die Gabe der Vortragskunst , die seinen Gedichten erst so den rechten Schwung gab, der schriftlich, zumal bei der Mundart, nicht wiedergegeben werden kann. In den Jahren 1936/37 gab es kaum einen Sonntagnachmittag, an dem er nicht irgendwo vortrug.
Als Höhepunkt seiner dichterischen Laufbahn pflegte er selbst einen Vortrag an der Wiener Universität anläßlich einer Misson-Feier der katholischen Akademikerschaft am 10. November 1937 zu bezeichnen. Mit Josef Misson verband ihn nicht nur die gleiche südmährische Heimat, sondern auch eine tiefe geistige Verwandtschaft, die in den zwei Gedichten vom "Naz" zum Ausdruck kommt, in denen er das bekannte Epos Missons fortführt. Beide schreiben in der gleichen südmährischen ui-Mundart ("Muider"), doch findet sich bei vielen Gedichten auch der Wiener ua-Dialekt "Muatter"). Es bleibt darum die richtige Wiedergabe vieler Laute bei den vorliegenden Gedichten dem richtigen Sprachgefühl und der Mundartkenntnis des Vortragenden überlassen.

Leider brachte der März 1938 dem öffentlichen Wirken Dechant Pfeifers ein Ende. Auch der deutsche Dichter wurde zum Schweigen verurteilt, weil er ein katholischer Priester war. Der November 1945 brachte im Zuge der Ereignisse die Zerstörung des Weinkellers, in dem die meisten seiner Gedichte entstanden waren. Das brach dem Dichter das Herz und seine Lebenskraft. In seinem letzten Gedicht (Kellertragödie") verlieh er seinem Schmerz darüber Ausdruck. Wenige Monate später schloß er seine Augen für immer.

Manche seiner Gedichte erschienen im Druck in Zeitschriften (Bauernkalender, Tierschutzkalender, Niederösterreichische Mundart-Anthologie) und auch in seinem ersten Sammelband, den er selbst unter dem Titel "Der Bubikopf und andere Dummheiten" herausgab. Sein Werk soll aber nicht verloren gehen und vergessen werden. Mögen seine Gedichte noch recht vielen schöne Stunden bereiten.


Aus dem Vorwort zu Georg Pfeifers "Ernst und Scherz fürs Menschenherz" 1952, Europäischer Verlag, Wien


Dechant Georg PFEIFER

a) Zur Person b) Humor
  • Einleitung
  • Der Erdstall
  • Die Gans
  • Kurzbiografie
  • Die Mäßigkeit
  • Die Kellerjause
  • Seitenanfang
  • Kellerpoesie