Dechant Georg PFEIFER

Hollabrunn 1930

D i e   K e l l e r j a u s e

Gut ist ein geselchtes Schwein,
wenn man sagen kann, s'ist mein.
Wenn der Mann, der so ein Schwein hat,
außerdem noch einen Wein hat
und den Keller freundlich auftut,
so ist es natürlich auch gut,
weil er denkt - von Gottes Gaben
sollen andre auch was haben.

Und es gibt stets edle Seelen
mit gut ausgepichten Kehlen,
die vor keinem Keller zittern,
wenn sie ein Geselchtes wittern.

Sonntag, nachmittags, um vier,
steht man vor der Kellertür -
und wie üblich hierzulande
kommt gleich eine ganze Bande.

Wie der Hausherr da erschrickt,
als er diese Schar erblickt -
denkt bei sich, daß Gott erbarm' ...
heute saufen die mich arm.

Doch als gastfreundlicher Geber
ist er da schon mit dem Heber,
ladet ein, den Wein zu kosten,
daß die Kehlen ja nicht rosten.

Sprich - fragt einer ganz diskret
"Na gezuckert is er net."
Doch sein Lächeln scheint zu sagen:
"Wie kann einer so dumm fragen!"

Und man trinkt, Fachkenntnis heuchelnd,
lobt den Wein, dem Hausherrn schmeichelnd,
wenn man auch, wie's halt meist geht -
eigentlich gar nichts versteht.

Dabei schielt man nach dem Tische,
wo in einer Kellernische
schon ein Trumm Geselchtes schimmert,
was den Weindurst noch verschlimmert.

Spricht der Hausherr dann "greift's zu",
fällt man drüber her im Nu.
Manche halten sich wohl mäßig,
andre sind schon mehr gefräßig,
hauen ein als wie die Hunnen,
die dem Nächsten nichts vergunnen.

Das geselchte Schweinerne
verschwindet bis aufs Beinerne.
Und ein riesen Laibl Brot
ist sehr bald dreiviertel tot.

Herrlich schmeckt der kühle Trunk
nach der guten Fütterung,
denn der Wein ist ganz famos
und der Durst unheimlich groß.

Einen Heber nach dem andern
läßt man durch die Gurgel wandern.

In des Kellers dunklem Düster
legt der Mensch ab den Philister,
denn hier gilt nur der als Mann,
der etwas vertragen kann.

Wie die Stunden schnell verrinnen
in dem Keller da herinnen.
Man wird lustig, liederlich,
Alt und Jung verbrüdert sich,
und das Gläschen fünf bis sechs
trinkt man nacheinander ex.

Ist's um diese Zeit, dann schliafen
Affen aus des Kellers Tiafen
setzen sich mit einem Ruckel
jedem Zecher auf den Buckel.

Mancher Affe ist noch klan,
mancher schon ein Pavian.

Und ein Zecher - halbwegs nüchtern,
mahnt zum Aufbruch jetzt ganz schüchtern.
Doch er wird zusamm'gebissen,
von den andern fast zerrissen.

Grade jene Raubersknaben,
die den größten Fetzen haben,
gehen absolut nicht fort,
da ist schad' um jedes Wort.

Und nun läßt im Großen Ganzen
jeder seinen Affen tanzen.

Einer möcht politisieren,
niemand will drauf reagieren,
dieses wurmt den Mann so sehr
darum säuft er umso mehr.

Einer redet unaufhörlich,
wird bereits gemeingefährlich,
bis ein Schnackerl ihn doch bändigt,
seinen Redefluß beendigt.

Einer schaut darum ganz dumm
und ein andrer lacht sich krumm,
weil er diesen Mann betrachtet,
den schon Alkohol umnachtet.
Doch er sollte lieber weinen,
denn er hat schon selber einen.

Einer jubelt, daß er frei ist,
seine Alte nicht dabei ist,
denn die Gattin - lieb und teuer -
keppelt manchmal ungeheuer,
weil sie nicht begreifen kann,
daß man sich besaufen kann.

Graues Elend hat erfaßt
einen andern Kellergast
Dieser klagt "Ich bin ein Sünder
hab' zu Hause Frau und Kinder,
ich verprasse hier den Wein ..."
Unter Tränen schläft er ein.

Einer zeigt sich streitbeflissen,
der wird sanft hinausgeschmissen,
und man riegelt zu von innen -
draußen kann er weiterspinnen.

Manche möchten gerne singen,
können nichts zusammenbringen -
na, so singen's endlich halt
"Wer hat dich du schöner Wald ..."

Auf den Hausherrn mit der Alten
möcht einer eine Rede halten,
doch sein Zungenschlag ist groß
und sein Zustand hoffnungslos.

Drum springt ein andrer ein für ihn,
aber der ist noch mehr hin.
Hat nur eine Bank erklommen -
weiter ist er nicht gekommen.

Nun ist's höchste Zeit zum Geh'n,
soll nichts ärgeres gescheh'n.
Drei bis vier sind schwer beschädigt,
einer beinah ganz erledigt,
und nun muß man diesen Teppen
mühesam nach Hause schleppen.

Man empfiehlt sich schwankend, wankend,
und dem Hausherrn vielmals dankend.

Dieser spricht voll Freundlichkeit
"Is scho' guat, war mir a Freud."
Ja, er freut sich wie ein Kind,
nämlich, daß sie draußen sind.

Und von einem Wiederkommen
hat kein Mensch etwas vernommen.


Dechant Georg PFEIFER

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